Archive for November, 2009

Predictably Irrational von Dan Ariely

Predictably Irrational ist ein weiteres Buch aus der Behavioral-Economics-Ecke, die das Fundament der traditionellen Ökonomie – den Homo Oeconomicus – anfechtet. Mit seinen empirischen Studien zeigt Dan Ariely auf, dass wir uns längst nicht so rational verhalten wie Ökonomen es immer unterstellen und wie gern wir es gerne hätten. Er geht sogar einen Schritt weiter und behauptet, dass wir uns teilweise sogar systematisch und vorhersagbar irrational verhalten. In meinen Augen trifft die Vorhersagbarkeit auf die begrenzten Versuchsanordnungen seiner Experimente zu, aber löst man sich vom streng rationalem Leitbild und bezieht die psychologische Dimension in unsere Entscheidungsfindung mit ein, so meine ich, dass die potentiellen Einflussfaktoren derartig vielfältig sind, dass eine Prognose nahezu unmöglich wird. Das ist nicht weiter schlimm, denn fast alle Sozialwissenschaften haben sich damit abgefunden und lediglich der Nimbus der streng formalen Wirtschaftswissenschaft erleidet Schaden.

Das Buch liest sich sehr unterhaltsam und erklärt z.B., welchen Einfluss soziale Normen haben (warum schenken wir einem Gastgeber Wein oder Blumen statt ihm einen entsprechende Betrag Bares in die Hand zu drücken, obwohl wir nicht wissen, ob er unseren Wein denn wirklich schätzt), warum Placebos wirken (und zwar desto besser, je teurer sie sind), warum uns unsere Besitztümer häufig so viel wertvoller erscheinen als potentiellen Käufern oder warum Angestellte ohne jedes schlechtes Gewissen Büromaterialen mitgehen lassen, aber die Kasse nie anrühren würden. Alles in allem sehr gut geschrieben und mit viel Stoff und Anregungen zum Nachdenken. Kein Buch, dass direkte Handlungsempfehlungen in Checklistenform gibt, aber es ist sicherlich sinnvoll, nicht nur bei der Werbekommunikation über die psychologischen Einflussfaktoren von Entscheidungen nachzudenken. Und last but not least sind die häufig kontraintuitiven Ergebnisse der sehr gut beschriebenen Experimente hervorragendes Smalltalk-Futter für Business-Lunches.

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Arm und Reich: Die Schicksale menschlicher Gesellschaften von Jared Diamond

 

Zugegeben, kein klassisches Business-Buch und auch sicher nicht nur für
Unternehmer geeignet. Dennoch ist es eines meiner Lieblingsbücher, aus dem
sich auch Erkenntnisse für das Business ableiten lassen. Jared Diamond ist
ein amerikanischer Professor und Wissenschaftler, der eine herausragende
Fähigkeit mitbringt, auch wissenschaftlichen Laien komplexe Themen
verständlich zu erklären.
In diesem Buch erklärt er wissenschaftlich fundiert, warum in der jüngeren
Geschichte verschiedene menschliche Gesellschaften sich unterschiedlich
schnell weiter entwickelt haben. Beispielsweise beweist er, dass die ersten
Hochkulturen im nahen Osten sehr stark davon profitiert haben, dass es dort
ertragreiche Getreidesorten und verschiedene domestizierbare Säugetierarten
gab. Beides fehlt beispielsweise in Australien komplett.
Das Buch hilft gegen Rassismus und für ein besseres Verständnis, wie die
Welt funktioniert. Das kann, wie ich finde, auch Unternehmern nie schaden.

Spannend und für Laien verständlich geschrieben, erkenntnisreich – alles in
allem sehr empfehlenswert, wenn auch nicht direkt Business-relevant.

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Das Geheimnis erfolgreicher Firmen von Michael E. Gerber

Das Buch ist eines von wenigen, die klar die Unterschiede zwischen einem Manager, einem Selbständigen und einem Unternehmer ansprechen. Was haben die verschiedenen Gruppen für Wünsche und welche Veranlagungen sollten sie mitbringen. Sich darüber klar zu werden kann man wirklich jedem empfehlen der darüber nachdenkt sich selbständig zu machen oder eine Firma zu gründen.

Eine andere spannende Herangehensweise von Gerber ist es, die Firma so zu skizieren wie sie einmal in ein paar Jahren aussehen soll. D.h. welche Positionen, Verantwortlichkeiten und Aufgabengebiete gibt es. Das man am Anfang als One-Man-Show alle Positionen im Organigramm selbst annimmt, klingt zwar sehr amerikanisch, ist für die Praxis und die Planung aber sinnvoll. Denn ein Kredo von Gerber ist es, das man als Unternehmer an seiner Firma und nicht für seine Firma arbeiten soll.

Gerber erklärt beispielhaft, dass man seine Firma wie einen Prototyp für ein Franchise aufbauen soll. Damit meint er nicht, dass man aus jedem Unternehmen ein Franchise machen muss, es erleichtert nur die Sichtweise und verschärft den Fokus auf das wesentliche.

Ein typisch amerikanisches Buch, was für einen deutschen Leser sicherlich hier und da durch zu viel Überschwänglichkeit über das Ziel hinausschießt. Aber nichts desto trotz – und das gelingt Gerber wirklich gut – hat man anschließend die Kernaussagen verinnerlicht.

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Der Flowtex-Skandal von Meinrad Heck

Wie Politik und Fiskus jahrelang von einem gigantischen Wirtschaftsbetrug profitierten – Unglaublich fesselnd, wie Meinrad Heck die Hintergründe des schwersten Falls von Wirtschaftskriminalität in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland aufdeckt. Wer das liest, lernt als Unternehmer, dass nicht immer alles stimmt, was in fremden Bilanzen steht. Man bekommt eine Ahnung davon, wie korrupt es im Musterländle in diesem Fall zuging. Der Leser sitzt praktisch mit am Tisch, wenn „Big Manni“ mit der Politik und dem Fiskus vor und nach Aufnahme der Ermittlungen „kooperiert“.

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Neurofinance von Elger und Schwarz

Das Buch erklärt anschaulich und unterhaltsam, wie Marketingfachleute aus der Finanzbranche Schwachstellen in der menschlichen Psyche ausnutzen. Erschreckender Weise ist der Mensch viel zu häufig emotional als rational, wenn es um finanzielle Entscheidungen geht. Man erkennt sich selbst und wie man den Versprechungen immer wieder aufgesessen ist. Einige Erkenntnisse aus dem Buch kann man auch transferieren und bringen einen dadurch auch unternehmerisch weiter. Warum verschwenden wir z.B. zu viel Zeit für kleine Probleme (Investitionen) und im Verhältnis zu wenig Zeit auf große Probleme (Investitionen)? Das Buch greift zur Veranschaulichung auf viele bekannte psychologische Experimente zurück, was den Lesespaß nicht mindert.

Wer ein wissenschaftliches Buch erwartet, welches die eigenen schon vorhandenen Grundlagen der Psychologie vertiefen soll wird von diesem Buch sicherlich enttäuscht. Dieses Buch bietet aber einen sehr interessanten Einstieg in das Thema Finanzpsychologie. Durch dieses Buch wird man selbstkritischer und betrachtet Renditeversprechen etwas differenzierter. Das Buch kann man entspannt an einem Sonntag durchlesen, die Zeit ist sinnvoll investiert.

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