Peter Kruse, seines Zeichens Psychologe und Komplexitätsforscher hat, mit „next practise – Erfolgreiches Management von Instabilität“ ein Buch vorgelegt, dass trotz einer recht apodiktischen Schreibweise Spaß macht zu lesen. Kernthese ist, dass eine Veränderung einer Organisation nur durch ein gezieltes Schaffen von Instabilität zu erreichen ist.

Gerade erfolgreiche Unternehmen stellen ihre starke Firmenkultur als eine der wichtigsten Erfolgsfaktoren heraus, übersehen aber gern, dass gerade ihr diese in einer veränderten Umwelt leicht zum Verhängnis werden kann, da sie die Verhaltensweisen einer Organisation stark stabilisiert und damit resistent gegenüber notwendigen Veränderungen macht. Um einen gewünschten Umbruch herbeizuführen, muss das Management daher gezielt für Instabilitäten sorgen, sei es z.B. durch Job Rotation, Austausch von Mitarbeitern oder gezielte Regelbrüche – und dass möglichst bevor ein Wandel durch äußeren Druck, sprich in echten Krisenzeiten, überlebensnotwendig wird.

Das geschieht aber nur selten, denn jede Instabilität geht naturgemäß mit einer mehr oder weniger großen Unsicherheit einher, und die meisten Manager scheuen sich daher, proaktiv solche Veränderungsprozesse anzustoßen, zumal Mitarbeiter auf Instabilität gerne mit Unmut reagieren – gerade in Erfolgszeiten. Kruse beschreibt einige Möglichkeiten, Stabilität und Instabilität auszubalancieren und den Erfolg der Veränderungsmaßnahmen zu tracken.

Konkret beschreibt er im zweiten Teil des Buches anhand eines Fallbeispiels Werkzeuge, die er als Unternehmensberater entwickelt hat. Mein Eindruck ist, dass diese Werkzeuge vor allem für den Einsatz in Großorganisationen bestimmt sind, aber m.E. sind die Ideen vom Grundsatz her auch auf kleinere und mittlere Betriebe übertragbar.

Insgesamt ist das Buch eher deutsch als amerikanisch, also etwas wissenschaftslastiger als unterhaltsam geschrieben, und so beginnt das Buch auch mit der Theorie dynamischer Systeme und kommt erst später zu praktischen Anwendungsfällen. Zum Glück hat Kruse die wichtigsten Botschaften sehr gut herausgestellt, so dass man sich immer dort in die Details vertiefen kann, wo das eigene Interesse liegt. Immer wieder gibt es aber auch Passagen zum Schmunzeln, so z.B. bei den „10 goldenen Stabilitätsregeln“.

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Hierzu übrigens auch ein sehr schönes YouTube-Video: